23. / 24. Juli 2010

Burg Veldenstein
Neuhaus a. d. Pegnitz
 
 
  PROGRAMM      
 
 
COPPELIUS
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Es herrscht ein heilloses Durcheinander. Irgendwo stürzt der überforderte Butler Bastille durch die Räumlichkeiten des coppelianischen Herrensitzes und versucht zerbrochene Cellobögen, durchgebissene Klarinettenblätter, herausgerissene Kontrabasssaiten und Splitter von Taktstöcken einzusammeln, stolpert dabei über geleerte Absinthflaschen und ein vom Tisch gefegtes Schachbrett. Vom weitläufigen Lustgarten des Sextetts hört man das dumpfe Knallen zweier Pistolen herüberschallen; ein weiteres Duell zwischen Max Coppella und Le Compte Caspar, die sich über die Vorzüge von Septime und großer Terz streiten.

Ein ganz gewöhnlicher Tag im coppelianischen Schaffensprozess, dessen chaotische Energien allesamt auf der zweiten Langspielplatte „Tumult!“ eingefangen und in fünfzehn galante Stücke gegossen wurden. Seit die Gentlemen nach jahrelangem Schweigen (denn eigentlich wurde die Formatio bereits 1791 gegründet) im Jahre 2002 bei einem Abschiedskonzert der Inchtabokatables für Aufsehen sorgten, hat sich an ihrem für heutige Maßstäbe ungewöhnlichen Instrumentarium und dem tugendhaften Auftreten in Gehröcken und mit wohlerzogenem Butler auf der Bühne nichts geändert. Noch immer stehen neben einem Schlagzeug ein Kontrabass, ein Cello und zwei Klarinetten, von den dreifach stimmlichen Wohlergüssen einmal abgesehen.

Doch was hier im ersten Augenblick, besinnliche Kammermusik vermuten lässt, entpuppt sich, wie die bereits erwähnte kreative Arbeitsweise andeutet, als zackiger, ungestümer Rock, bei dem so manchem Konzertbesucher bereits das Knuspergebäck aus der Hand oder der Tee ins Gesicht geblasen wurde. Von jungen, langhaarigen Menschen wird sogar behauptet, man könne die coppelianische Klangeskunst als Kammermusik-Metal bezeichnen. Wenn diese Verortung zwar wissenschaftlich noch nicht belegt ist und Max Coppella und Le Comte Caspar natürlich auch schon das ein oder andere Duell darüber ausgefochten haben, so muss man dennoch konstatieren, dass eine gewisse Nähe zum Metal vorhanden ist. So ist mit „Charlotte The Harlot“ erneut ein Song aus dem Fundus von Iron Maiden auf der neuesten Scheibe vertreten. Wobei die Coppelianer nach eigener Aussage lediglich das Original neu servieren, das sie bereits zur Zeit der Uraufführung von Mozarts „Zauberflöte“ in Grundzügen ersonnen hatten.

Die dreisten Briten hätten sich das Stücklein klammheimlich einverleibt, in der Hoffnung, man habe die ursprünglichen Urheber längst vergessen. Ähnlich verhält es sich mit „Rightful King“, das zuvor von den schon angeführten Inchtabokatables intoniert wurde und das hier ebenfalls in seiner ursprünglichen Fassung erscheint – übrigens eingesungen von einem nicht unbekannten Chanteur von Subway To Sally, weitläufig bekannt als Eric Fish. Max Coppella kommentiert diese Mitwirkung mit abgespreiztem Zeigfinger und erhobener Braue: „Ich war dagegen, dieses Stück aufzunehmen, da ich es nicht komponiert habe. Also mussten sich die anderen Herrschaften jemanden suchen, der es singen konnte.“
 
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